Absolventin, Prof. Tilo Baumgärtel, Prof. Franziska Reinbothe, HGB Leipzig, Prof. Daniel Richter Akademie der bildenden Künste Wien
In meinen großformatigen Malereien und konzentrierten Zeichnungen stelle ich Fragen nach Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit sowie nach den Grenzen unseres Sehens. Wir haben gelernt zu sehen, zu verstehen und einzuordnen – unsere Vorstellungen sind geprägt von Bildern, Kategorien und Deutungsmustern. Mich interessiert, inwiefern diese Prägungen unsere Wahrnehmung bestimmen und begrenzen. In meinen Arbeiten wird das Subjekt im Bild nicht isoliert gedacht, sondern durch den Kontext definiert, in dem es erscheint. Ich erkunde die Grenzlinien des verifizierbaren. Bedeutung entsteht im Verhältnis: zwischen Figur und Raum, zwischen Bild und Betrachter*in, zwischen Sichtbarem und dem, was sich dem Blick entzieht. Die Leinwand ist für mich ein Gegenüber, mit dem ich in einen fortlaufenden Aushandlungsprozess trete. Jede Arbeit konfrontiert mich mit der Herausforderung, die Grenzen meiner eigenen Vorstellung zu befragen, sie zu verschieben und tradierte Bildvorstellungen aufzubrechen. Stetig wachsende Bildarchive und Recherchepools bilden im Atelier die Grundlage eines offenen, experimentellen Malprozesses. Dabei stellt sich immer wieder die Frage: Ist es möglich zu verlernen? Ist es möglich, die erlernten „Ismen“ zu durchbrechen, die unsere Wahrnehmung strukturieren und unsere Vorstellung begrenzen? Mich interessiert die Suche nach einem Bild, das sich nicht auf einen einzigen Blickwinkel festlegen lässt – einem Bild, das Mehrdeutigkeit zulässt und Raum für andere Formen des Sehens eröffnet.